Ursprünglich hielt ich nicht viel von Zertifizierungen, weil ich immer
der Meinung war, dass ein Papier nicht meine Erfahrungen beweisen kann.
Und: standardisierte Methoden im Unternehmen sind nur schwer
durchzusetzen – es werden immer Anpassungen benötigt. Also – ein wenig
über 1 Jahr später ist es Zeit zu sehen, ob ich Recht hatte oder
nicht…
Kurz nach der Zertifizierung haben wir uns noch einen Spaß daraus
gemacht, die Bezeichnungen einfach im täglichen Leben zu
irgendwelchen Vorhaben zu benutzen. Inzwischen ist es jedoch abgeflacht -
die Zeit, in der wir wirklich voll im Thema drin waren, ist vorbei…vor
allem, weil wir alle wieder im täglichen Leben angekommen sind.
In einem meiner letzten Projekte, in dem ich als fachlicher
Berater/Business-Analyst eingesetzt wurde, ist mir bei Abstimmungen mit dem
IT-Projektleiter Folgendes aufgefallen: Seine Aufgaben – meine Aufgaben
waren z.B. eindeutig. Meine Erwartungen an ihn und seine Erwartung an
mich auch. Seine Fehler, aufgrund dessen, was er aus dem “Standard-Handbuch
des Projektleiters” tun sollte, ebenfalls (meine natürlich genauso…).
Alles Kleinigkeiten – mag sein – aber auf jeden Fall ganz nützlich und am
Ende zeitsparend.
Als Projektleiter ist der Nutzen schwieriger auszumachen. Die Gefahr ist
einfach, dass man im täglichen Leben kaum Zeit hat, wirklich das, was man
gerade macht, zu reflektieren. Es ist eigentlich schade, denn gerade hier
sehe ich einen der Mehrwerte dieser Zertifizierung: Eine solche Schulung
und Zertifizierung erlaubt einem zu sehen, was “Best Practices” aus
einem Organisationskreis wirklich sind und sich zu fragen, wie man
diese am besten anwenden kann. Bevor man eine Lösung zu einem Problem
erfinden muss, kann man aus dem Gelernten eine Lösung ableiten. Dieses
bedeutet am Ende eine erneute Zeitersparnis, auch wenn diese nur mit
Eigeninitiative einhergeht.
Ein weiterer Aspekt, den man nicht unterschätzen sollte, ist, dass auf
dem Markt immer häufiger von Projektleitern eine Zertifizierung erwartet
wird. Dieses ist natürlich ein einfacher merkantiler Aspekt, der
jedoch nicht unwichtig ist. Interessanterweise spielt am Ende
die eigentliche Zertifizierung weniger eine Rolle, als die Tatsache, dass
man eine Zertifizierung zu diesem Thema hat.
Viele Grüße,